Leibwächter der Bundespolizei an Deutschlands Botschaften in Kabul und Bagdad sollen nach FOCUS-Informationen über Jahre hinweg ihre Überstundenabrechnungen manipuliert haben.

Leibwächter der Bundespolizei an Deutschlands Botschaften in Kabul und Bagdad sollen nach FOCUS-Informationen über Jahre hinweg ihre Überstundenabrechnungen manipuliert haben. Der entstandene Schaden beträgt knapp eine Million Euro. Und angeblich war der Betrug sogar bekannt.

Durch die gefälschte Anzahl der Überstunden sollen die Bodyguards an Deutschlands Botschaften in Kabul und Bagdad zusätzliche Geldleistungen erschlichen haben. Das ergaben FOCUS-Recherchen. Der kürzlich von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) abgelöste Bundespolizei-Präsident Matthias Seeger und seinen beiden Stellvertreter sollen von den offensichtlichen Betrügereien gewusst haben.

Nach Einschätzung von Fachbeamten beläuft sich der entstandene Schaden auf eine Summe von mehreren hunderttausend Euro. „Die Tendenz geht in Richtung einer Million“, sagte ein hochrangiger Beamter gegenüber FOCUS. Die Staatsanwaltschaft müsse jetzt ermitteln.

Innerhalb von drei Monaten bis zu 850 Überstunden angehäuft
Ein direkter Vorgesetzter der Bodyguards war offenbar in die falsche Abrechnung von Arbeitsstunden eingeweiht. So habe ein Leibwächter aus der Botschaft Kabul am 2. März 2010 um 17.08 Uhr seinem Referatsleiter im Potsdamer Bundespolizei-Präsidium per E-Mail mitgeteilt: „Wir frisieren den Stundenzettel also auf 500 Stunden.“

Die Personenschützer in Afghanistan und im Irak kassieren nach FOCUS-Informationen im Monat einschließlich der Gefahrenzulage ein doppeltes Gehalt, das auch anfallende Rufbereitschaften abdeckt. Die Bundespolizisten hätten jedoch jeden Handgriff und sogar den Sport als Überstunden abgerechnet. Dadurch hätten sich bei dem einzelnen Leibwächter nach drei Monaten Dienstzeit und der Rückkehr nach Deutschland jeweils 700 bis 850 Überstunden angesammelt.
Das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium wiesen die Leitung der Bundespolizei FOCUS-Informationen zufolge mehrmals auf die Missstände hin. Reaktionen seien jedoch ausgeblieben. Ein Sprecher der Bundespolizei sagte auf FOCUS-Anfrage, dass es keine Hinweise auf Absprachen von Beamten gebe.


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